Montag, 8. September 2014

Das blaue Sofa - Rolando Villazón ''Kunststücke''



Hy! Wie geht's Dir? Warum antwortest Du nicht? Bist Du tot??

Wenn wir jemandem eine Nachricht schicken, erwarten wir sofort eine Antwort. Lässt sie jedoch auf sich warten, werden wir schnell nervös und starren auf's Smartphone. Wenn Rolando Villazón die Hektik unserer Welt beschreibt und diese kleine Szene nachstellt, fühlen wir uns ertappt. Mit viel Körpereinsatz und großer Begeisterung sprach der Startenor am 29. August im Berliner Ensemble über Philosophie, Literatur und die Oper. ''Eigentlich müssen wir alle schreiben'' sagt er. Es muss nicht jeder Schriftsteller werden, aber es wäre wichtig, einen Weg zu seinen Gedanken zu finden und sich einmal nur mit sich selbst zu befassen. Einfach mal innehalten. ''Denn am Ende ist doch jeder mit sich allein.'' Gedanken und Gefühle zulassen und ausleben-darum geht es in der Oper. Villazón unterstreicht das, indem er für das Publikum ein euphorisches ''Ich liebe dich!'' singt.




Der Sänger und Regisseur ist jetzt auch Schriftsteller. In seinem ersten Roman ''Kunststücke'' geht es um den Clown Macolieta, der zusammen mit zwei Freunden, ebenfalls Clowns, auf Kindergeburtstagen auftritt. Die vorgetragenen Passagen lassen erahnen, dass Villazón wie schon in der Oper, auch im Roman ganze Welten erschafft. Die Sprache ist humorvoll und poetisch. Seine Ideen und Gedanken hielt er in einem blauen Buch fest, ebenso wie es die Hauptfigur in seinem Roman tut - sicherlich nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden.

Am Ende signiert Rolando Villazón jedes Buch mit der Zeichnung eines Clowns. Vielleicht meint er damit auch sich selbst. Das Warten in der Schlange ist eine Herausforderung und die Versuchung umso größer, aus dem Theater zu stürmen und sich auf dem Heimweg schnell ein Notizbuch zu kaufen. Um dann einfach mal still zu bleiben. Und zu schreiben.


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